NMN (Nicotinamidmononukleotid) ist eine Vorstufe von NAD+, einem Cofaktor, der in jeder Zelle des Körpers für Energiegewinnung und DNA-Reparatur benötigt wird. Mit dem Alter sinkt der NAD+-Spiegel dramatisch – NMN-Supplementierung soll diesen Rückgang ausgleichen.

Wirkungsmechanismus

NMN wird im Körper zu NAD+ umgewandelt, das wiederum Sirtuine und PARP-Enzyme aktiviert. Diese regulieren:

  • Mitochondriale Funktion – Energieproduktion in den Zellen
  • DNA-Reparatur – Behebung von Schäden durch oxidativen Stress
  • Entzündungsregulation – Dämpfung chronischer Entzündungsprozesse
  • Zirkadiane Rhythmen – Synchronisation der inneren Uhr

Aktuelle Studienlage (2025–2026)

Die Humanstudienlage wächst, ist aber noch im frühen Stadium:

Washington University (2021): Die erste randomisierte, placebokontrollierte Humanstudie zeigte, dass 250 mg NMN täglich über 10 Wochen bei postmenopausalen Frauen mit Prädiabetes die Muskelinsulinsensitivität und Glukoseaufnahme verbesserte.

Keio University, Japan (2022): 250 mg NMN täglich erhöhte NAD+-Spiegel im Blut messbar und verbesserte bei älteren Männern Muskelkraft und -ausdauer.

HUMANISE-Studie (laufend): Eine der größten NMN-Studien untersucht derzeit 600 Teilnehmer über 60 Jahren in Australien auf Effekte auf biologisches Alter, Kognition und körperliche Leistungsfähigkeit. Ergebnisse werden 2026 erwartet.

Dosierung und Verfügbarkeit

In Studien eingesetzte Dosen liegen zwischen 250 mg und 1.000 mg täglich. NMN ist als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich. Die FDA hat NMN 2022 zunächst vom Supplement-Markt ausgeschlossen (da es sich in klinischer Prüfung befindet), ruderte aber 2023 zurück – NMN ist in den USA weiterhin als Supplement zugelassen.

Einschränkungen

Die meisten Humanstudien sind klein (unter 50 Teilnehmer) und von kurzer Dauer. Langzeitdaten fehlen weitgehend. Die Bioverfügbarkeit variiert je nach Präparat erheblich. Sublingual eingenommenes oder liposomales NMN soll eine höhere Absorptionsrate haben als Kapseln.

Fazit

NMN ist eines der am besten erforschten Longevity-Supplemente, bleibt aber noch kein etablierter Standard. Die laufenden Großstudien werden bis 2026–2027 klarere Antworten liefern. Wer es einnehmen möchte, sollte auf geprüfte Qualität achten und die Entwicklung der Studienlage verfolgen.