Ein Zufallsbefund mit Sprengkraft
Als Epidemiologen die Sterblichkeitsdaten von Metformin-Patienten mit gesunden Nicht-Diabetikern verglichen, erwarteten sie das Offensichtliche: Diabetiker sterben früher. Stattdessen zeigte eine britische Studie mit über 180.000 Teilnehmern, dass Metformin-behandelte Diabetiker eine höhere Lebenserwartung hatten als die gesunde Vergleichsgruppe. Das war der Startschuss für die Longevity-Forschung rund um diesen Wirkstoff.
Wie wirkt Metformin auf das Altern?
Metformin aktiviert ein Enzym namens AMPK – einen zentralen Energiesensor der Zelle, der auch durch Fasten und Sport aktiviert wird. AMPK hemmt wiederum mTOR, reduziert oxidativen Stress und fördert Autophagie. Auf molekularer Ebene ahmt Metformin damit einige der Effekte nach, die auch Kalorienrestriktion erzeugt.
Zusätzlich reduziert es systemische Entzündungsmarker und verbessert die Insulinsensitivität – beides Faktoren, die eng mit dem biologischen Altern verknüpft sind.
Die TAME-Studie
Seit 2023 läuft die bisher ambitionierteste Longevity-Studie überhaupt: TAME (Targeting Aging with Metformin), finanziert von der amerikanischen FDA. 3.000 Teilnehmer zwischen 65 und 79 Jahren werden über sechs Jahre beobachtet. Es ist das erste Mal, dass die FDA "Altern" offiziell als behandelbaren Zustand anerkennt – ein historischer Schritt.
Einschränkungen
Metformin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament mit Nebenwirkungen, darunter Magen-Darm-Beschwerden und in seltenen Fällen Vitamin-B12-Mangel. Einige Sportwissenschaftler warnen zudem, dass es die Trainingsadaptionen bei Kraftsport dämpfen könnte. Ohne ärztliche Indikation ist eine Eigenmedikation nicht empfehlenswert – die TAME-Studie wird hier in den nächsten Jahren klarere Antworten liefern.