Der Hype und sein Ursprung

In den 2000er-Jahren schlugen Resveratrol-Studien Wellen: Das Polyphenol aus Weintraubenschalen verlängerte in Laborstudien die Lebensspanne von Hefezellen, Würmern und Mäusen signifikant. David Sinclair von Harvard postulierte, Resveratrol aktiviere Sirtuine – jene Enzyme, die auch durch Fasten stimuliert werden. Medien berichteten von einer Anti-Aging-Pille.

Was die Forschung heute zeigt

Die Humandaten sind enttäuschend. Eine Cochrane-Analyse von 2020 fand keine konsistenten Belege für gesundheitliche Vorteile von Resveratrol-Supplementen beim Menschen. Zudem: Um die Dosen zu erreichen, die in Tierstudien wirkten, müsste man täglich Hunderte Liter Rotwein trinken.

Das Problem liegt in der Bioverfügbarkeit. Resveratrol wird im menschlichen Körper so schnell abgebaut, dass es in relevanten Konzentrationen kaum ins Gewebe gelangt. Neuere Derivate wie Pterostilben sollen dieses Problem lösen – sind aber ebenfalls nicht ausreichend belegt.

Was bleibt

Resveratrol als Supplement ist Stand heute nicht empfehlenswert. Die Idee dahinter – Sirtuine zu aktivieren – ist aber valide. Bessere und belegtere Wege: Fasten, Ausdauersport, Kalorienreduktion. Wer Polyphenole aus echter Nahrung bezieht (Beeren, Weintrauben, dunkle Schokolade), macht vermutlich mehr richtig als mit hochdosierten Kapseln.